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Wein

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Im Kaukasus wurde der Weinbau erfunden – vor über 6000 Jahren. Die Georgier keltern den Wein noch heute wie ihre Vorfahren. Und liegen damit voll im Trend. Das war nicht immer so: Nach einer Krise vor zehn Jahren mussten die Winzer plötzlich umdenken.

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Tee kommt ursprünglich aus China und Tabak aus Amerika, davon hat man schon gehört. Von der Herkunft des Weins sind aber manchmal selbst Weinkenner überrascht: Südkaukasus?
Tatsächlich haben Archäologen in dieser Region den Hinweis auf die früheste Weinbaukultur der Welt entdeckt:
In Tonamphoren.




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Von Georgien aus sollen sich die Reben über Kleinasien bis nach Europa verbreitet haben. Dort hatte georgischer Wein lange einen schlechten Ruf. Der stammt aus Sowjetzeiten, als der Wein süß, billig und als Massenware produziert wurde. 
Seit ein paar Jahren ist das jedoch anders. Wein aus Georgien gilt unter Weinkennern als Geheimtipp - und wird in immer größeren Mengen nach Europa geliefert.

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Am beliebtesten ist der rote Saperavi, eine heimische Rebsorte. Ihr Geschmack wird von einem Berliner Weinhändler als etwas zwischen "Jute, Kartoffelsack, Pfeffer und Kakaopulver" beschrieben. Sehr speziell also.


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Speziell ist auch die Herstellung des Weins. In Kachetien, der bekanntesten Weinregion im Osten des Landes, wird er noch so produziert wie vor 6000 Jahren. In riesigen, unterirdisch gelagerten Tonamphoren: den Qvevris.






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Zu sowjetischen Zeiten vernachlächssigt, hat diese Methode in den letzten Jahren eine wahre Renaissance erlebt. Einer, der sie besonders gut beherrscht, ist Vano Shiukashvili. Er hat in Rheinland-Pfalz Önologie studiert und ist Kellermeister bei "Corporation Kindzmarauli", einem der bekanntesten Weingüter in Georgien.

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Weil der Wein mit den Schalen, Stielen und Kernen der Trauben zusammen vergärt, ist er besonders dunkel.
Orange Wine nennt man ihn auch, der Farbe wegen.
In Europa, Amerika und Japan ist er in den letzten Jahren in Mode gekommen –  auch weil er "bio" ist: Ohne alle Zusatzstoffe, sogar ohne Hefe gärt er im Qvevri.
Eben so wie vor 6000 Jahren.




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In Georgien hat sich der Naturwein-Trend aus einer besonderen Notsituation heraus entwickelt.
Die führte die georgischen Weinbauern zu einem Wandel.

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Wein hat in Georgien viel mit Politik zu tun. Als das Land zum sowjetischen Großreich gehörte, wurde die Produktion auf ein Höchstmaß gesteigert. Produziert wurde vor allem süßer Massenwein. Schon mit dem Zerfall der Sowjetunion ging die Nachfrage zurück. Das Embargo brachte vielen Weinbauern endgültig das Aus. Von ehemals 128.000 Hektar Rebfläche ist heute weniger als die Hälfte übrig.

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Aus der Krise sind aber auch Ideen erwachsen. Eine junge Generation von Winzern hat die alte Tradition des Weinbaus wiederentdeckt. Und begonnen, sie modern zu vermarkten. Viele kleine Betriebe sind entstanden, die mit einfachen Mitteln  wirtschaften. Die meisten davon im familiären Verband:  Nach Auskunft des Ministeriums für Landwirtschaft sind 79 % der Weinhersteller in Georgien heute Familienbetriebe.  

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So wie der Weinhandel von Zura Shakarshvili. Den Betrieb in Kondoli, nahe der Weinstraße, die durch Kachetien führt, hat er erst vor einem Jahr gegründet. Zusammen mit seiner Familie. An der Hofanlage und dem Haus arbeiten er und sein Vater noch. Schon Zuras Ur-Großvater hat hier Wein in Amphoren hergestellt. Darauf ist er stolz.

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Seinen Wein vermarktet Zura Sharkashvili über Touristengruppen, die sein Weingut besuchen.
Außerdem verkauft er Wein an Restaurants und Bars in Tiflis. Bisher sind es nur 2000-3000 Flaschen jährlich.
Zura hofft, dass es bald mehr werden.

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Weinhandlungen und Weinbars gibt es in Tiflis jedenfalls genug. In der Altstadt reiht sich ein Geschäft ans andere. Manche haben jeden Tag rund um die Uhr geöffnet.

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Wer sich für Wein interessiert, kommt im Mai nach Tiflis: Seit sieben Jahren wird in diesem Monat das "New Wine Festival" im Mtsminda-Park gefeiert. Hier treffen sich Weinbauern, Weinhändler und Weintrinker, um den neuen Jahrgang zu probieren. Das Festival ist speziell für kleine Betriebe gedacht, die Qvevri-Wein produzieren. Gegründet hat es der Literaturwissenschaftler Soliko Tsaishvili.


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Die Weinbar "Vino Underground" hat Soliko Tshaishvili zusammen mit Freunden in Tiflis eröffnet, um seinen selbstgemachten Qvevri-Wein unter die Leute zu bringen. Heute gilt er als Begründer des Naturwein-Booms.

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Seine Liebe zum Wein entdeckte er schon als Student, zum Winzer wurde Soliko Tsaishvili aber erst mit Anfang vierzig. 2003 kaufte er ein Weinfeld in Kachetien und begann, mit Qvevris zu experimentieren. Kurz darauf hängte er seinen Job als Literaturprofessor an den Nagel. Heute lebt er vom Wein. Er verkauft ihn nach Deutschland, Dänemark, Italien, nach Japan und Australien. Aber der Qvevri-Wein ist für ihn mehr als nur ein Geschäft.

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Außergewöhnlich ist in Georgien nicht nur, wie der Wein gemacht wird. Sondern auch wer ihn macht:  Die Winzer, die man in Kachetien oder beim Weinfest in Tiflis trifft, erzählen mit einer besonderen Leidenschaft. Vom Wein und seiner Geschichte. Von Tradition und Veränderung. Und von der Zukunft. Das alles gärt im Wein, seit 6000 Jahren.

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Mit Dank an:
Rainer Kaufmann, Natia Kodiashvili, Vano Shiukashvili, Zura Sharkashvili, Soliko Tsaishvili, Nika Bakhia, Natia Guliashvili, Marina Avalishvili-de Boer (GIZ), Berthold Seitz (National Wine Agency, Ministry of Agriculture Georgia), Alexej Schreiner

Copyright Panel 6: Khuroshvili Ilya

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Auch südlich von Tiflis wird Wein angebaut. Hier hat die Geschichte des Weins ein deutsches Kapitel: Als Anfang des 19. Jahrhunderts in Süddeutschland eine Hungersnot ausbrach, wanderten Tausende von  Handwerkern und Weinbauern aus Württemberg in die Kaukasusregion ein und ließen sich rund um Tiflis nieder.

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Assureti, ehemals Elisabethtal, ist ein solches Schwabendorf. Etwa 2000 Deutsche lebten hier früher. Für ihren Wein waren sie im ganzen Kaukasus bekannt. Nachdem Stalin 1941 alle Deutschen deportieren ließ, kehrten nur wenige zurück. Die letzten Nachfahren der Siedler sind vor mehr als zehn Jahren ausgewandert. Ihre Häuser verfallen.

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Eines davon hat Manfred Tichonov restauriert. Seit 2003 wohnt er in Assureti. Er stammt aus Schwerin und kam vor zwanzig Jahren nach Georgien – eigentlich um in Tiflis einen Versandhandel aufzubauen.  Dann entdeckte er die deutschen Dörfer und entwickelte einen neuen Plan: Den Weinbau in Assureti wiederzubeleben.


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Auf knapp einem Hektar kultiviert er eine besondere Rebsorte, die ohne ihn in schon Vergessenheit geraten wäre: die Schalltraube.

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Manfred Tichonov versteht sich als Hobby-Winzer. Kaufen kann man den Schallwein nur bei ihm im Laden in Assureti. Auf die Frage nach Export winkt er ab. Es kommen genug Touristen, die den Wein selbst transportieren, sagt er.

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