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Die ewig Gestrigen

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Georgiens Umgang mit seiner Geschichte ist geprägt von Legenden und Lügen. Das liegt vor allem daran, dass Josef Stalin ein Georgier war. Aber auch andere Heldenmythen überleben in dem Land bis heute.

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Aus einem Einkaufszentrum in Josef Stalins Geburtsstadt blickt der Diktator seinen Landsleuten entgegen. Ein Mann der zwanzig Millionen Menschen, darunter auch viele Georgier, auf dem Gewissen hat.

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Am 9. Mai erreicht der Stalin-Kult in Gori seinen Höhepunkt. Der Tag des Sieges über Hitler-Deutschland gilt für seine Anhänger als der wichtigste Feiertag, die Geburtsstadt des Diktators ihr Pilgerort.


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Vierhundert Menschen sind aus allen Teilen des Landes angereist. 

Die meisten von ihnen aktive Kommunisten, aus einer Generation, die mit dem sowjetischen System vor seinem Untergang noch eng verbunden war. 


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In Georgien genießt Stalin auch in der breiten Bevölkerung noch mehr Sympathien als in Russland.

Laut der letzten Umfrage der Carnegie Stiftung für Internationalen Frieden 2013 stehen knapp die Hälfte der Georgier Stalin positiv gegenüber.

Rund zwei Drittel der Bevölkerung halten ihn sogar für einen "weisen Anführer".

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Lasha Bakradze hat an der Studie der Carnegie Stiftung mitgearbeitet. Er sagt: Die Georgier verehren Stalin nicht als Herrscher der Sowjetunion. Sondern weil er ihr Landsmann war, genauer: der erfolgreichste Georgier, den das Land hervorgebracht hat.

Doch das eigentliche Problem, so Bakradze, liegt woanders.

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Stalin war ein Meister der Propaganda. Seine Art, aus Geschichte Mythen und Legenden zu machen, prägt Georgiens Verständnis der eigenen Vergangenheit bis heute. Die Mythen und Heldengeschichten überleben, den unangenehmen Teil der Geschichte versucht man zu vergessen.

So erging es auch einem georgischen Soldaten, der 1945 in Berlin die sowjetische Flagge über dem Reichstag hisste.

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Stalin wollte, dass ein Mann aus seinem Heimatland die Siegesflagge auf dem Reichstag hisste: Meliton Kantaria. Zwar kamen im Laufe der Zeit immer mehr Zweifel an der Echtheit des Bildes auf. Die Aufnahme zeige nicht die erste Flaggenhissung, sondern sei zwei Tage später nachgestellt worden.

Doch der Mythos war stärker: Meliton Kantaria war der Held, der den Sieg über den Faschismus symbolisiert. 

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Die Nachkommen von Meliton Kantaria leben noch immer in dem Haus, in dem er aufgewachsen ist. Wie stehen sie heute zum Heldenmythos ihres Großonkels?



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Boris Kantaria und Asmati leben in dem Haus, in dem Meliton Kantaria aufgewachsen ist: Boris' Onkel.

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Dass Journaliten sie besuchen, kennen sie schon. Das Familienalbum liegt parat.

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Boris erzählt von seinem Onkel, als wäre er noch immer ein lebendes Symbol des Sieges.

Auf Kantarias Grab steht eine halbe Flasche Wein. Jedes Mal, wenn die Dorfbewohner Blumen auf sein Grab legen, trinken sie einen Schluck auf ihn. 

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Dass im Laufe der Zeit immer mehr Zweifel an der Echtheit des Bildes aufkamen, dass am Ende der Fotograf sogar behauptete, das sei gar nicht Kantaria auf dem Bild - das alles interessiert sie nicht.

Ebenso wenig spielt für sie eine Rolle, dass mit dem Ende der Sowjetunion der Mythos seine Relevanz verloren hat.

Für Boris und Asmati bleibt der Onkel ein Held.

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Während man sich an falschen Legenden abarbeitet, verfallen die Belege für Stalins Verbrechen. Eine kleine Gruppe von Historikern dokumentiert das letzte Erbe des roten Terrors.

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Ein Wohnhaus wie viele andere in Tiflis, scheint es: Der Verputz bröckelt, die Tür ist morsch. Irgendwo drinnen spielt jemand Klavier.

1921, beim Einmarsch der roten Armee in Georgien, wurde das Haus zum Hauptquartier der Tscheka, des sowjetiscchen Geheimdiensts im Kaukasus.

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Vor sieben Jahren begann eine Gruppe von Historikern, die Gräueltaten aufzuarbeiten. Dass dieses Haus das ehemalige Hauptquartier der Tscheka war, hat Irakli Khvadagiani zufällig entdeckt.

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"Eine übliche Foltermethode war, die Opfer in eine Zelle zwei Stockwerke unter der Erde zu sperren. Ohne Essen und Trinken. Nach einer Woche folgte das Verhör mit der Drohung: Wenn du nicht gestehst, gehst du zurück in die Zelle.

Die Gefangenen wurden meistens auf einem Feld außerhalb der Stadt gebracht, um sie zu exekutieren. Aber immer wieder starben auch im Haus Nummer 22 – an den Folgen der Inhaftierung."

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Nachdem 1934 die Tscheka ihr Hauptquartier an die Hauptstraße verlegte, wurde aus dem Haus ein Bürogebäude. 1941 – die Stadt war voller Menschen die vor den Deutschen Truppen geflohen waren – beschloss die Sowjetführung das Haus Nummer 22 für die Vertriebenen bereitzustellen.

Seither ist das Haus wieder bewohnt. Rund vierzig Familien leben heute in den ehemaligen Büros, Verhörräumen und Gefängniszellen. Im oberen Stock vermietet eine Familie Zimmer an ausländische Touristen.

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Wie lange die Historiker ihre Arbeit in dem Haus fortsetzen können, wissen sie nicht. Die Besitzer des Hauses wollen es abreißen lassen und auch die Regierung interessiert sich nicht für diese Geschichte.

Und das, obwohl Präsident Giorgi Margwelaschwili in diesem Haus aufgewachsen ist und noch zu Beginn seiner Amtszeit hier gelebt hat. Eine Interviewanfrage der Historiker für einen Dokumentarfilm lehnte er ab.


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Irakli Khvadagiani nimmt jedes Mal einen Umweg über die Ingorokva Strasse und schaut nach, ob das Haus noch steht.

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Übersicht

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Kapitel 1 Intro

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Kapitel 2 Gori

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Kapitel 3 Dschwali

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Kapitel 4 Topografie des Terrors

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