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rollederfraueningeorgien

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Die Ehe ist für die meisten jungen Frauen in Georgien die einzige Möglichkeit, das Elternhaus zu verlassen. Knapp die Hälfte heiratet deshalb schon vor ihrem 25. Geburtstag. Zum Vergleich: In Deutschland sind es nur sieben Prozent. Was bedeutet es für junge Frauen in einer Gesellschaft im Aufbruch, wenn ihr Weg so vorgezeichnet ist: vom Kinderzimmer an den Herd?

Vier junge Frauen erzählen, wie sie damit umgehen.

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Tato Mindorashvili (25) und ihr Freund Luka Japaridze (28) ziehen nachts zusammen los, um Graffitis zu sprühen. Die Studentin ist die Tochter eines Künstlerpaars - und die Rebellin der Familie. "Sie macht, was sie will", sagen Bruder und Cousine unabhängig voneinander über sie. Traditionen seien ihr egal, sagt sie. Dennoch wird sie Luka bald heiraten. Weil er es so wollte.

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Ketevan Arakhamia könnte sich ein eigenständiges Leben leisten. Sie ist 23 Jahre alt und verdient gutes Geld als Anwältin. Doch Keti lebt bei ihrer Mutter. Sie denkt noch nicht ans Heiraten - auch wenn sie immer wieder danach gefragt wird.

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Salome Zhvania (27) und Alla Parunova (26) haben eine WG gegründet. Ohne Männer. Ihre Familien waren geschockt, als sie von ihrem Plan hörten. In Salomes Elternhaus eskalierte der Streit so, dass für Monate niemand mehr mit ihr redete. Wenn Nachbarn heute fragen, warum Salome nicht mehr oft zu Hause schlafe, antworten die Eltern mit einer Lüge.

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In der Haupstadt prallen die Gegensätze aufeinander. Die Clubszene floriert, Tiflis wird als neues Berlin gefeiert: Techno, Drogen und eine LGBTQ-Szene, die durch Paraden und Demos immer mehr auf sich aufmerksam macht.

Gleichzeitig geiselt der Zwang zum Heiraten die junge Generation. Woher kommts?


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Ethnologin Elke Kamm forscht seit 16 Jahren zum Thema Geschlechterungleichheit in Georgien.

Sie sagt: „Alte Wertvorstellungen sind stark in der Gesellschaft verwurzelt. Da geht es um die Reputation der Großfamilie bis hin zu Tanten und Onkel zehnten Grades. Um die nicht zu gefährden, gelten Regeln, an die sich eine Frau in der Öffentlichkeit halten muss: Sie soll nicht rauchen, trinken, sich immer schön bedeckt halten, schamhaft, sittsam sein. Es ist auch verpönt, dass eine Frau alleine lebt, weil sie in dieser Zeit Herrenbesuch empfangen könnte, wilde Partys schmeißen." Die Kontrolle der Familie soll vor allem eines verhindern: Dass junge Frauen vor der Ehe ihre Jungfräulichkeit verlieren. An ihr hängt die Familienehre.

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Die Kirche erlebte nach dem Ende der Sovjetunion starken Zustrom. Überall in Georgien wurden und werden noch heute neue Kirchen gebaut. 95 Prozent der Bevölkerung gibt an, gläubig zu sein. Elke Kamm glaubt, dass auch deshalb mehr an den alten Traditionen festgehalten wird als anderswo.

"Jede Familie hat einen geistlichen Vater als Berater. Dem gibt sie viel Geld, damit sie alle Alltagsangelegenheiten mit ihm besprechen kann. Die Werte, die die georgisch-orthodoxe Kirche vermittelt, sind sehr antiquiert. Dazu gehört natürlich: Die Frau hat bis zur Ehe rein zu sein."

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An den georgischen Universitäten sind mehr als die Hälfte der Studierenden Frauen. Damit sind sie dort sogar stärker vertreten als in Deutschland.

Anders sieht es im Berufsleben aus: Viel weniger Frauen als Männer sind berufstätig. Am größten ist der Unterschied im Alter von 15 bis 34, wenn die meisten Frauen Kinder bekommen. In dieser Gruppe arbeiten doppelt so viele Männer wie Frauen in einem Angestelltenverhältnis. Gesetzlich ist die Diskriminierung von Frauen in der Berufswelt und vielen anderen Bereichen des öffentlichen Lebens verboten.

Und das ganze Land könnte profitieren, wenn Frauen gleichberechtigt am Arbeitsmarkt teilnehmen könnten: Die Weltbank schätzt, dass dann das Bruttosozialprodukt um 11,3 Prozent steigen würde.

Was für eine Zukunft wünschen sich Salome, Alla, Tato und Keti?

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Mann, Kind, Job - am besten alles auf einmal. Und vor allem: Wissen weitergeben, lehren, vermitteln. Das ist es, was Salome, Alla, Keti und Tato wollen.

Elke Kamm sagt: „Die Frau gilt als die Kulturübermittlerin. Sie ist diejenige, die Traditionen des georgischen Volkes weitergibt. Die meisten studieren nur, um ihre Kinder unterrichten zu können."

So sehr die vier jungen Frauen die neuen Freiheiten genießen - plötzlich stecken sie also wieder ganz tief drin, in der Rolle, die ihnen die georgische Gesellschaft vorgibt. Einfach, weil das immer schon so war.

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Für dieses Bild wurden Luka auf einer Vernissage 3000 Dollar geboten. Er verkaufte es nicht. Es ist das erste Bild, das er jemals von Tato gemalt hat - er konnte es nicht hergeben.

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